… vereinfacht und verallgemeinert

38 Millionen Erwerbstätigen stehen rund 20 Millionen Rentner und Pensionäre, 8 Millionen Behinderte, 6 oder 7 Millionen Arbeitslose und 2 Millionen Studenten gegenüber: Leute, die es als ihr gottgewolltes Recht betrachten, von dem zu leben, was andere für sie aufbringen müssen. (Konrad Adam, ehemaliger Bundessprecher der AFD im Mai 2006, zitiert nach einem Artikel in der „Welt“)

Große Zahlen eignen sich gut für Verallgemeinerungen und dabei sehen sie auch noch so schön nach Fakten aus. Quasi „Mathematik“. Da kann niemand etwas dagegen sagen. Oder? Der kleine Populist ist besonders geschickt darin, die Dinge so zu präsentieren, dass komplizierte Zusammenhänge und individuelle Lebensgeschichten hinter großen Zahlen, schwammigen Worten und einfachen Aussagen verschwinden. Wie zaubert der kleine Populist eine überzeugende Modellwelt aus der komplexen Realität? Die Hauptzutat des Zaubertranks sind: Vorurteile. Der Zauberspruch heißt: Verallgemeinerung, Vereinfachung, simsalabim! „Alle Arbeitslosen sind faul und schämen sich nicht mal dafür.“ Und wie bei einem echten Zaubertrick verschwindet dieses hässliche Vorurteil hinter großen Worten und scheinbaren „Fakten“ wie hinter einem Vorhang. Was nach außen aussieht wie eine vernünftige Argumentation, ist eigentlich eine bösartige Unterstellung. Warum einige Menschen keine Arbeit haben, welche Strukturen Menschen den Weg in die Arbeit erschweren, dass Rentner_innen oft bereits 50 Jahre berufstätig waren, Student_innen später viele Steuern zahlen werden und welche verschiedenen Behinderungen es gibt, die Menschen teils arbeitsunfähig machen oder auch wieviele Menschen mit Behinderungen erwerbstätig sind, verschweigt der kleine Populist lieber. Wäre ja auch doof, gleich den ganzen Zauber zu verraten. Wer sollte dann noch daran glauben?
Und was kommt bei dem Trick heraus? Wut, Angst, Ungerechtigkeitsempfinden und Hass gegenüber denen, die ihren Beitrag zur Gesellschaft scheinbar nicht leisten wollen.

Sei aufmerksam gegenüber der Argumentation! Vielleicht sind deine arbeitslosen/studentischen Freunde oder deine Großeltern, die du bestimmt nicht für faul hältst, ja nicht die Ausnahme von der Regel, sondern vielmehr die Regel? Lerne, Zahlen und „Fakten“ vorsichtig und in ihrem Entstehungskontext zu interpretieren und frage immer nach, woher die Daten kommen! Werde aufmerksam für Vorurteile, die in scheinbar unschuldiger Wortwahl mitschwingen!