… verteidigt „uns“ gegen die „anderen“

Es wird immer von der Willkommenskultur geredet. Ich weiß nicht, warum wir eine Willkommenskultur aufbauen müssen. Wer bei uns arbeitet, lebt, muss die Sprache beherrschen, […] er muss unsere Kultur und Tradition anerkennen. Das heißt er muss uns willkommen heißen. Und nicht wir ihn! (Alexander Gauland, zitiert nach dem Bullshit-Quiz)

Das Denken des kleinen Populisten ist geprägt von Gegensätzen. Für ihn zählen nicht die Individuen mit ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten, sondern scheinbar feste Gruppen, die er nach Belieben zusammenbaut. Der kleine Populist setzt viel daran, die Welt in „Freunde“ und „Feinde“ einzuteilen. Das hilft gegen Angst und gibt das befriedigende Gefühl, zu „den Guten“ zu gehören. Ein beliebtes Gegensatzpaar des kleinen Populisten sind „die Deutschen“ und „die Ausländer“ oder „das Volk“ und „die Elite“. Nicht „wir“ sind für Probleme verantwortlich, sondern „die anderen“ (die „da oben“, die „Ausländer“). Wenn „wir“ die „Guten“ sind (und davon sind „wir“ ja meistens überzeugt), müssen „die Anderen“ wohl die sein, die alles falsch machen. Das „Anderssein“ der „Anderen“ ist konstruiert: Wenn jemand scheinbar „anders“ aussieht, aber in Deutschland geboren ist, zählt er oder sie aus der Perspektive des kleinen Populisten oft trotzdem nicht als „Deutsch_r“. Anderssein wird dazu häufig mit negativen Eigenschaften verknüpft („die passen sich nicht an“, „die nutzen unser Sozialsystem aus“, „die wirtschaften sich nur in die eigene Tasche“) , sodass „die Anderen“ gleich noch fremder und böswilliger erscheinen. Von hier aus ist es nur ein kleiner Schritt, „den Anderen“ Rechte abzusprechen, die man/frau selber gerne für sich in Anspruch nimmt und Fehler zuzuschieben, die man/frau selber nicht auf sich nehmen möchte. Das Basteln von Vorurteilen kann so weit gehen, dass der kleine Populist von „den Anderen“ erwartet, all das wieder gut zu machen, was er selbst ihnen erst angehängt hat: „Die passen sich nicht an, also müssen die erstmal eine Willkommenskultur aufbauen.“ Hä? Verlangt ihr von euren Gästen, dass sie euch in eurem Zuhause willkommen heißen? Der kleine Populist hat einen blinden Fleck in Bezug auf Begegnung und Gemeinsamkeiten. Also kann oder will er auch nicht sehen, dass eine Gemeinschaft, in der jede_r den/die andere_n schätzt und willkommen heißt, nur gemeinsam aufgebaut werden kann. Einfacher ist es für ihn sich einzubilden, die eigene „Kultur“ wäre bereits perfekt und „die Anderen“ müsse man/frau nur loswerden.

Frage dich oder den kleinen Populisten doch mal: Gibt es nicht viel mehr Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen im „wir“ als zwischen „uns“ und „den Anderen“? Vielleicht gibt es eine Eigenschaft an mir, die der kleine Populist verwenden könnte, um mich plötzlich zu einem/einer „der Anderen“ zu machen? Und dann gehe raus, lerne Menschen kennen und staune, wie vielfältig diese sind und welchen verschiedenen Gruppen sie sich zugehörig fühlen.